
Das Werk untersucht die Schnittstelle zwischen Biotechnologie und spiritueller Transzendenz, inspiriert von den klassischen Themen aus Dante Alighieris Göttlicher Komödie und der visuellen Kraft von Gustave Dorés Stichen. Das Werk interpretiert diese alten Erzählungen aus einer zeitgenössischen Perspektive neu, in der ein Cyborg, der einen biblisch korrekten Engel darstellt, sich auf eine Reise der Selbstfindung und Erlösung begibt.
Der Cyborg-Engel wurde aus hyperdetaillierten 3D-Modellen konstruiert, die aus medizinischen Scans von Krebsgewebe und neuronalen Strukturen abgeleitet wurden, und verkörpert die Verschmelzung von organischem Leben und künstlicher Technologie. Dieses hybride Wesen navigiert durch eine höllische Landschaft, die das chaotische Zusammenspiel zwischen Krankheit, Verfall und dem Kampf ums Überleben widerspiegelt. Die Umgebung ist eine Mischung aus Organischem und Mechanischem und steht für die Qualen und die Komplexität der modernen existenziellen Situation.
Im Verlauf der Animation konfrontiert der Cyborg-Engel verschiedene Manifestationen des Leidens und der Transformation und strebt letztendlich nach einem Zustand der Reinheit und Transzendenz. Die Reise gipfelt in einem Aufstieg in ein paradiesisches Reich, in dem der Cyborg seine verdorbenen Schichten abwirft und als Wesen des Lichts und der Harmonie erscheint, frei von den Zwängen sowohl des Fleisches als auch der Maschine.
Das Kunstwerk lädt die Betrachter dazu ein, über das Zusammenwirken von Technologie, Spiritualität und der menschlichen Existenz nachzudenken. Es fordert uns heraus, über die Natur von Identität und Erlösung in einem Zeitalter nachzudenken, in dem die Grenzen zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen zunehmend verschwimmen.
_Sofia Talanti_
Sofia Talanti ist eine italienische Digitalkünstlerin und 3D-Designerin mit Sitz in Linz, Österreich. Ihre Arbeit basiert auf der Erforschung neuer Technologien zur Manipulation skulpturaler Formen digital konzipierter Objekte, die stets einen Einfluss auf die Realität haben. 2018 schloss sie ihr Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Carrara ab und arbeitete als Assistentin des Künstlers Rob Voerman in den Niederlanden. 2019 erwarb sie einen Master-Abschluss in Ausstellungsdesign am Institut für Kunst und Restaurierung des Palazzo Spinelli in Florenz. Derzeit studiert sie im Masterstudiengang Interface Cultures an der Universität für Kunst und Design in Linz.
*Touching Thoughts ist ein kunstwissenschaftliches Kooperationsprojekt der Netzkulturinitiative servus.at – Kunst und Kultur im Netz und der Medizinischen Fakultät der JKU (Abteilung für Pathologie und Molekulare Pathologie und Institut für Anatomie und Zellbiologie der JKU), das sich mit der Erforschung von Protokollen und Verfahren der dreidimensionalen Bildgebung im Bereich der digitalen Pathologie sowie der Frage befasst, wie wissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse und Wahrheiten durch digitale Technologien generiert werden.




