
Die Künstlerin und Forscherin Anna Kraher (Research Lab 2025) wurde eingeladen, einen Beitrag zum letzten Linz FMR 26 PROLOG zu leisten. Ihr Vortrag „What a Wonderful World: Big Tech and the Politics of Isolation” basiert auf einer laufenden Forschungsarbeit, die sie im Rahmen ihrer Teilnahme am Research Lab 2025 begonnen hat.
Dieser Vortrag untersucht, wie die Zukunftsvisionen von Big Tech – von privatisierten Städten und Weltraumkolonien bis hin zu Bunkern für den Weltuntergang – eine zunehmend ausgeprägte „Politik der Isolation“ widerspiegeln. Solche Projekte markieren den Rückzug der Tech-Elite aus einem gemeinsamen gesellschaftlichen Boden: von Unternehmen geführte Territorien dienen als Rückzugsräume jenseits rechtlicher und regulatorischer Rahmenbedingungen, Bunker als Flucht vor ökologischen Grenzen, Weltraumkolonien als Abkehr von der Erde selbst. In dieser Weltsicht wird Freiheit als Flucht vor Verantwortung und dem Kollektiv verstanden.
Doch diese isolationistischen Strategien beruhen auf globalen Arbeits- und Ausbeutungssystemen. Was als Abgrenzung erscheint, ist tatsächlich ein ausbeuterisches Verhältnis. Dies spiegelt auch rechtspopulistische Ideologien wider, die Zugehörigkeit durch Abgrenzung versprechen und einen gemeinsamen Boden behaupten, wo in Wahrheit Ungleichheit und Ausbeutung herrschen. Im Zentrum steht ein liberaler Freiheitsbegriff – gegründet auf Eigentumsrechte, uneingeschränkte Mobilität und den Rückzug aus kollektiver Verantwortung.
Für die Tech-Elite eröffnet sich so eine vermeintliche Fluchtroute aus einer krisengeschüttelten Welt – während die Mehrheit gezwungen ist, sich den Folgen eines kollabierenden Planeten zu stellen. Demgegenüber steht die Idee einer „Freiheit zu bleiben“ – einer Freiheit, die auf der Bewahrung einer gemeinsam bewohnbaren Welt basiert und das Recht einschließt, präsent zu bleiben.
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Anna Kraher (sie/ihr) ist Forscherin an der Schnittstelle von kritischer Philosophie, Medientheorie und Kunst. In ihrer wissenschaftlichen und künstlerischen Praxis untersucht sie die gesellschaftlichen Implikationen von Künstlicher Intelligenz (KI) und Big Tech – mit besonderem Fokus auf das Zusammenspiel von KI-Ideologien, prädiktiver Analytik und unterschiedlichen Zeitlichkeiten. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschungsgruppe „Ethik und kritische Theorien der KI“ an der Universität Osnabrück. Sie studierte Design & Computation, Informatik und Gender Studies in Berlin.



